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Pressespiegel
Frankfurter
Rundschau vom 11.9.2001
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Rundschau vom 8.9.2001
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Neue Presse
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Allgemeine Zeitung FAZ
Frankfurter
Rundschau vom 11.9.2001
Im
Westend schwindet der bezahlbare Wohnraum
Aus ehemaligen
Universitätsinstituten werden Luxus-Apartments / Besetzer aus
der Schumannstraße zogen ab
Von Claudia
Michels
Die Besetzer
der Schumannstraße 59 sind abgezogen, der Missstand bleibt.
Ihre Aktion hat gezeigt: Junge Familien wie diese finden im Westend
wohl kaum mehr Räume. Adressen, die die Universität verlassen
hat, werden zu Wohnbüros oder Luxus-(Eigentums)Wohnungen. Zu
Hunderten verschwinden preiswerte Quartiere der Nachkriegszeit.
Trotz einer Erhaltungssatzung, die seit fast zwölf Jahren gilt.
"Der Patient
liegt wieder im Koma", teilten die "initiative gemeinsames
leben im 21. jahrhundert" ("sechs Frauen, acht Männer,
fünf Mädchen, drei Jungen") am Montag um 12.30 Uhr
mit. Die Busse waren beladen, die "Wiederbelebung" eines
seit Jahren leer stehenden denkmalgeschützten ehemaligen Wohnhauses
mit Toberaum und Infopool, Raum für Projekte und Kinderstockwerk,
Samstagabendparty und Sonntagsfilmprogramm war vorbei.
Eine "Kritik
an der Wohnungspolitik" sollte, so eine Besetzerin, rüberkommen:
"Die ABG reißt in Bockenheim eine ganze Arbeitersiedlung
ab, und wo saniert wird, kommen Luxuswohnungen." Nachbarn im
verödeten Karree am Rand des Beethovenplatzes zeigten sich
"froh über das Leben hier am Wochenende". Mancher
riet sogar zum Bleiben. Auch Pfarrer Konrad Knolle von der Christus-Kirche
wurde zum Unterstützer. Er hatte "das Haus immer mit schmerzenden
Augen leer stehen sehen".
Doch am Montagmorgen
erschien Karl-Ludwig Brückmann vom Eigentümer Bundesvermögensamt,
um die "Liegenschaft wieder in Besitz zu nehmen", wie
es sein Kollege Klaus Armbrecht in der Oberfinanzdirektion ausdrückte.
Brückmann lud die jungen Leute nachmittags zum "Runden
Tisch" in sein Amt: "Ich sage nicht gern ,nein'."
Zwar könne es nichts werden mit der Schumannstraße 59,
die bis Herbst 1999 dem "Real Estate Office" der US-Truppen
gedient habe. Die Verkaufsgespräche für das Haus seien
"schon zu weit" - es werde wohl ein Konsulat einziehen,
eventuell Wohnungen dazu. Doch, so Brückmann, "wir haben
andere Wohnungen in Frankfurt". Pfarrer Knolle, auch in der
"Wohnraum Initiative Frankfurt" tätig, will Vermittler
sein.
"Es muss
die Chance genutzt werden, gerade im innerstädtischen Bereich
Wohnen auch in hochwertigen Altbauten zu erhalten", hatte die
SPD-Fraktion im Römer kurz vor den Sommerferien den Magistrat
erinnert und eine Liste angehängt von zehn teils oder ganz
leer stehenden Westend-Adressen - meist ehemalige Universitätsinstitute.
Die Antwort aus dem Planungsdezernat zeigt: Obwohl Stadtrat Edwin
Schwarz Ende 2000 im FR-Interview argumentiert hatte, die Büronutzung
in den Westend-Villen sei "ja nur als ,Sondernutzung Universität'
erlaubt gewesen", wurden fast überall mit den Eigentümern
Vergleiche geschlossen, die das Einrichten von Wohnungen durch die
Genehmigung zu freiberuflicher oder gewerblicher Nutzung ausgleichen.
Etwa so: In der Arndtstraße 11 sollen drei Wohn- zwei Büroetagen
gegenüberstehen. Im noch leer stehenden Haus Bettinaplatz 5
ist das umgekehrte Verhältnis genehmigt: Zwei Wohnebenen werden
durch drei Geschosse Büros ergänzt. Die Schumannstraße
34 a könne ganz Wohnhaus werden, doch der Eigentümer des
Kettenhofweg 135 versuche "insgesamt Büronutzung"
auszuhandeln.
Seit Monaten
macht die Entwicklung in der 116 Jahre alten denkmalgeschützten
Villa Myliusstraße 30 Ärger im Westend: In Erdgeschoss,
1. und 2. Stock werden laut Bauschild "hochwertig sanierte
Büroflächen im Stilaltbau" feilgeboten. In der 3.
und 4. Etage sind "Luxuswohnungen zu vermieten". "Und
die Stadt", prangert Knut Köbler von der AG Westend an,
"lässt das zu."
Das Planungsdezernat
argumentiert einmal mehr mit "der erheblichen Größe
der Einheiten von über 500 Quadratmetern"; derlei sei
angeblich nicht als Wohnraum zu halten. "Alle Bevölkerungsschichten
und Nationalitäten", daran erinnert die SPD-Planungssprecherin
Barbara Heymann in einer Anfrage, sollte die Westend-Erhaltungssatzung
bewahren helfen. Doch der Entwicklung zu Luxusquartieren steht der
Verlust der Einfachwohnungen gegenüber: Die KfW hat solche
Einheiten der Nachkriegszeit an der Palmengartenstraße abgerissen,
die Fay GmbH an der Mendelssohnstraße. Die Uniprof-Blocks
Eppsteiner Straße/Freiherr-vom-Stein-Straße sind zum
Luxus-Umbau "entmietet", Ähnliches ist an der Hansaallee/Vogtstraße
geschehen. Heymann: "Die soziale Mischung wird immer stärker
beeinträchtigt."
Kommentar
Alarmzeichen
Von Claudia
Michels
Das Westend
ist, nimmt man nur die Zeit nach dem Krieg, schon manchen Tod gestorben.
Zur "City-Erweiterung" arrondierte man seit den 60er Jahren
in den Wohnstraßen rechts und links der Bockenheimer Landstraße
Grundstücke für Büro- (hoch)häuser. Die alten,
hochwertigen Gebäude wurden zugebrettert und zerstört,
Menschen unter Schikanen vertrieben. Unterm Strich stand der Verlust
von 20 000 Bewohnern. Dieser Westend-Kampf ist museumsreif: demnächst
soll er ins Bonner Haus der Geschichte eingehen.
Wo aber die
alte Struktur bewahrt werden konnte, blieb seit damals, jedenfalls
in Teilen des Quartiers, urbanes Leben erhalten: die großen
Wohnungen, die bunte Vielfalt der Läden. Eine Bewohnerschaft
aus allein stehenden Eingesessenen und Familien, auch viele bescheidene
Existenzen darunter. Doch war die Mischung bald wieder bedroht:
Als zerstörerische Büro-Projekte beerdigt waren, drängte
die Stadt per Erhaltungssatzung auch den Trend zu Luxus-Wohnsanierung
zurück, verweigerte schlicht die Baugenehmigung.
Heute ist diese
Satzung in den Schubladen verschwunden. Saniert oder gebaut wird
nur noch auf Luxusstandard. Gerade hat man die Universität
auf den "Westend-Campus" verlegt, aber die preiswerten
Wohnungen fallen unter die Abbruchbagger. Die Hausbesetzung vom
Wochenende wirkte als Alarmzeichen: So lebendige Häuser gab
es mal im Westend. Will man junge Leute und Familien weiter ausschließen,
wird das stadtnahe, grüne Westend zur Schlafstadt veröden.
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