INITIATIVE FÜR GEMEINSAMES LEBEN IM 21. JAHRHUNDERT

Pressespiegel

Frankfurter Rundschau vom 8.9.2001

Eine als Happening inszenierte Hausbesetzung

Die "Initiative Gemeinsames Leben im 21. Jahrhundert" zog für das Wochenende in die Schumannstraße 59 ein

Von Volker Massazek
Mit einer Wochenend-Hausbesetzung im Westend fordert die "Initiative Gemeinsames Leben im 21. Jahrhundert", "leer stehenden Wohnraum innovativen Wohnprojekten zur Verfügung zu stellen". Da die Polizei nicht einschritt, wird die Initiative bis zum Sonntag in der Gründerzeit-Villa Schumannstraße 59 bleiben.

Hausbesetzung als Happening: Gegen 14 Uhr fuhren Autos mit roten Kreuzen vor der Villa vor, heraus kamen Menschen in Ärztekluft inklusive Mundschutz und OP-Haube. Ausweislich eines Flugblatts, das eine Frau auf Stelzen verteilte, handelte es sich bei den Weißkitteln um das "Alpha-Team", "spezialisiert auf Wiederbelebungen aller Art". Von einer Besetzung war deshalb nicht die Rede, sondern von Hilfe für "das seit langem im Koma liegende Haus".

Dass die Aktion "gut geplant war", wie ein Vertreter der Initiative erzählte, ließ sich nicht übersehen. Kaum stand die Haustür offen, schmückten Blumenkästen die Fensterbänke, füllten Matratzen und Sitzmöbel die leeren Räume, zierten Liegestühle den Rasen vor dem Haus. Eine Wäscheleine wurde gespannt und gleich bestückt. 14 Erwachsene und acht Kinder zogen in die Villa Kunterbunt. Seit mehreren Jahren suchen sie Wohnraum für ihre große "soziale Familie". Weder beim städtischen Wohnungsamt noch auf dem freien Markt hatte die Initiative Erfolg. Durch ihre Aktion will die Gruppe erreichen, dass die Stadt über die Nutzung eines leer stehenden Hauses verhandelt.

Davon gibt es gerade im Westend einige, nachdem die Universität etliche Liegenschaften geräumt hat. In einem Magistratsbericht, der sich mit der künftigen Nutzung dieser Häuser befasst, geht die Stadtregierung auch auf die Villa in der Schumannstraße 59 ein. Das Gebäude gehört der Bundesvermögensverwaltung und ist laut Bebauungsplan als Wohnhaus genehmigt. Es soll verkauft werden - an wen, ist dem Magistrat nicht bekannt. Die Wohn-Initiative hat bislang vergeblich versucht, mit dem Bundesvermögensamt Kontakt aufzunehmen.

Das Amt ließ die ungebetenen Bewohner gewähren. Nach Angaben der Polizei erstattete die Behörde keine Anzeige, weshalb die Ordnungshüter keinen Grund hatten, das Anwesen zu räumen. So können die Besetzer ihr Wochenendprogramm durchziehen - mit Kinderfest, Volxküche und "Lockermachen im Café Orientale".

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Frankfurter Rundschau vom 11.9.2001