INITIATIVE FÜR GEMEINSAMES LEBEN IM 21. JAHRHUNDERT



Wir leben hier!

6 Frauen, 8 Männer, 5 Mädchen und 3 Jungen, alle zwischen 4 Monate und 40 Jahre alt und was wir wollen ist :
Einen Platz wo wir alle zusammen leben können!

Als langjährige Frankfurter, viele aus Bockenheim oder dem Westend, bemühen wir uns bereits seit 10 Jahren und mehr in verschiedensten Initiativen und Zusammenhängen bezahlbaren Wohnraum in dieser Stadt für größere Wohngruppen zu finden und alternative Lebensräume zu schaffen.
Leicht vorzustellen, dass uns dies bis jetzt nicht , weder über das Wohnungsamt noch über den freien Immobilienmarkt, gelungen ist. Von Glück kann mensch sprechen, wenn sich 2 Wohnungen in einem Haus finden lassen.

Direkte Anfragen seit langem leer stehende Häuser in Eigeninitiative instand zu setzen, um darin zu leben, werden aus Spekulationsgründen zurückgewiesen. In unseren Forderungen an die Stadt und im langwierigen Gang über die Ämter, Möglichkeiten für größere soziale Lebens- und Wohngemeinschaften zu schaffen, sind wir ein ums andere mal enttäuscht worden.
Die größtmögliche Wohnform die in unserer Gesellschaft gefördert wird, ist die der klassischen Kleinfamilie und das ist uns eindeutig zu klein. Deswegen sehen wir die Notwendigkeit, unsere gemeinschaftliche Lebensweise zu stärken und initiativ zu werden !
Wir sehen Handlungsbedarf !

Wir haben am 07.09.2001 das seit zweieinhalb Jahren leerstehende Haus in der Schumannstr. 59 mit einer Performance und mit einem bunten Kinder- und Kulturprogramm tempörär "wiederbelebt", um auf die schwierige Situation aufmerksam zu machen, solche Projekte zu verwirklichen (siehe Pressespiegel vom .08.09.20001).
Anschließend, am 10.09.folgten Verhandlugen mit dem Eigentümer - dem Bundesvermögensamt.

Unser Anliegen, diese Liegenschaft zu einem unserem Einkommen gerechten Preis anzumieten, wurde abgelehnt. Es stellte sich heraus, dass das ursprünglich als Wohnhaus ausgeschriebene Objekt, nach numehr 50 Jahren weiterhin als Büroraum genutzt werden soll.
Desweiteren wurde darauf hingewiesen, dass die Stadt in ihrer Planungshoheit, betreffend der Nutzung dieser Liegenschaft, bestimmte Vorgaben erteilt.
Wir fragen die Stadt: Warum wurde das Haus nicht seiner ursprünglichen Nutzung zurückgeführt ?

Selbst große Volksparteien formulieren Leitsätze, wie

"Innovative Wohnprojekte fördern - Der derzeitige Wohnungsmarkt wird den Lebens- und Wohnbedürfnissen von älteren Menschen, MigrantinnEn, Großfamilien oder Alleinerziehenden nicht
gerecht. Wir wollen daher jedes Jahr entsprechende innovative Wohnprojekte, die neue Formen des Zusammenlebens projektieren, finanziell unterstützen (...)."

aus dem 88 Punkte Plan der CDU und Grünen Koalitionsverhandlungen Mitte Juni 2001

Und hier sind wir!
Eine bunte Mischung vom Säugling zum Gymnasiasten, vom/n MigrantInnen der 2. und 3.Generation, allein-erziehenden Elternteilen, über KünstlerInnen, StudentInnen, ArbeiterInnen, bis hin zum/r Selbstständigen.

Und große leere Häuser gibt es genug !

Wir verstehen uns als "soziale Familie". Wir haben uns bewusst für ein Leben, Wohnen und Arbeiten in größeren Gemeinschaften entschieden. Aus zum Teil langjährigen Erfahrungen sind für uns die positiven Aspekte dieses gemeinsamen Lebens und Wirtschaftens nicht von der Hand zu weisen.
Sei es in der Organisation und Bewältigung des alltäglichen Lebens mit Kindern, der Arbeit, dem Einkaufen oder Kochen.
Aber auch sozialen Rückhalt bieten, Erfahrungen direkt auszutauschen und gemeinsame Energien in kulturelle und gesellschaftliche Projekte zu investieren braucht Zeit und Kraft, die wir im Zusammen-leben besser aufbringen können.

Des weiteren sehen wir als "soziale Familie" die Verantwortung, den mit uns lebenden Kindern realen und sozialen Raum zur Verfügung zu stellen., Unsere Erfahrung hierbei ist, dass Kinder unterschiedlichen Alters sich selbst und gemeinsam als eigene Welt und Wirklichkeit erfahren können und dies sehr beruhigend in den Alltag eingreift.
Ebenso konnten wir feststellen, wie sich aus solchen Projekten Talente und Kompetenzen bei uns allen entfalten.
Ob Kind, Jugendliche oder Erwachsene - das tägliche Miteinander schafft und stärkt die Identität und Kreativität von uns allen.

Es ist für uns eine Kultur des Lernens.

Frankfurt am Main, September 2001
igl21 - initiative gemeinsames leben im 21.jahrhundert